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03 Feb
2022

Atomkraft? Nein danke!
 

„Atomkraft? Nein danke!“ Sticker, Plakate, Batches und Aufnäher waren vor nicht allzu langer Zeit noch mit diesem einprägsamen Slogan zu lesen. Es war eine junge Studentin aus Dänemark, die Mitte der 1970-er Jahre eine orangefarbene, lachende Sonne zeichnete und mit diesen wenigen Worten eine Bewegung startete, die bis heute noch als klares Statement gegen Atomenergie gilt.

Zum Synomym und Meilenstein für die österreichische Anti-Atomenergie-Bewegung wurde sicherlich der friedliche Widerstand gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf mit der Besetzung der Hainburger-Au im Jahr 1984. Nach intensiven Debatten und einem darauffolgenden Volksbegehren wurde das Atomkraftwerk Zwentendorf niemals in Betrieb genommen.

Wir haben und bewusst gegen den Bau und den Betrieb von Atomkraftwerken entschieden und dagegen angekämpft. Und das ist gut so, denn spätestens nach den Kraftwerkskatastrophen im russischen Tschernobyl im Jahr 1986 oder 2011 im japanischen Fukushima wurde der Welt bewusst, wie gefährlich die der Betrieb atomarer Kraftwerke wirklich ist. Ganz zu schweigen davon, dass die Menschheit noch immer nicht den Funken einer Idee hat, was mit dem atomaren Müll geschehen soll.

Und jetzt das! Die EU-Kommission beschließt doch tatsächlich, Atomstrom und Erdgas nun an als „klimafreundlich“ einzustufen. Als Begründung wird ins Treffen geführt, dass Atomkraftwerke kein klimaschädliches CO2 in die Luft blasen und deshalb als „nachhaltig“ gelten können. Verfolgt man die Absichten der Union etwas genauer, dann geht es dabei um die sogenannte Taxonomie, ein Klassifizierungssystem der EU für die Bewertung ökologischer Nachhaltigkeit von wirtschaftlichen Aktivitäten. Der Plan ist, Finanzierungen für den „nachhaltigen Umbau Europas“ aufbringen. Bis 2050 sollen pro Jahr rund 350 Milliarden Euro aus privaten Investitionen eingehen, um die Klimaziele auch wirklich umsetzen zu können. Das Ziel ist löblich. Allemal. Der Zweck heiligt hier jedoch in keinster Weise die Mittel.

Ob die Länder der Europäischen Gemeinschaft ihren Strom aus Gas, Wind, Sonne, Kohle oder eben auch aus Atomenergie beziehen, bleibt jedem selbst überlassen. Ziel ist es, Investitionen samt Rückzahlungsfristen und –modalitäten in Kernkraftwerk attraktiver zu machen und das alles oben drauf noch mit einem Nachhaltigkeitssiegel zu verzieren. Einige europäische Länder, allen voran jene mit vielen Atomkraftwerken (AKW) wie beispielsweie Frankreich, sprechen sich klar für Atomstrom aus.

Österreich zeigt sich – quer durch alle politischen Lager – seit diesem umstrittenen Beschluss der Kommission äußerst negativ gestimmt. „Atomkraft sei veraltet, teuer und nicht nachhaltig“, bringt es die Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt und  Energie, Leonore Gewessler, auf den Punkt. Österreich plant, gegen die Entscheidung der Kommission zu klagen.